Unser Weg zum eigenen Wachs­kreislauf

Drei Thüringer Imker taten sich zusammen...

Wie das eben so ist, unter Imkern in einem Ort: Man trifft sich ab und zu und redet über dies und das – und eben auch über die Bienen.
Das erfolgt bei uns in der Regel in gemütlicher Runde, bei einem Bier oder einem Glas Wein. Da bleibt es nicht aus, dass dabei auch die Artikel aus dem Bienen-Journal ausgewertet werden.

Das Thema Wachs kam da schon öfters vor – man könnte fast sagen: Es ist ein Dauerbrenner. Und es stellte sich heraus, dass einige von uns bestimmte Schad­bilder, wie löchrige Brutnester und einen zögerlichen Ausbau der Mittel­wände, schon in den eigenen Völkern beobachtet hatten. Nun sind das Erscheinungen, die nicht zwangs­läufig auf schlechte Mittel­wände schließen lassen. Diese sind aber eine mögliche Ursache.
Mit zusammen­gesackten Waben hatte noch kein Imker aus unserem Bekannten­kreis zu tun – nicht einmal vom Hören­sagen. Wir arbeiten naturnah und sind uns der Problematik der Wachs­ver­unreinigung und der Anreicherung von Schad­stoffen im Wachs sehr wohl bewusst.

Geschichte

Damit befanden wir uns während unserer Auswertung des Bienen­jahres 2018 mitten in der Diskussion darüber, ob und wie man einen eigenen Wachs­kreis­lauf mit vertretbarem Aufwand einrichten könnte, um die Qualität der Mittel­wände selbst beeinflussen zu können. Als Rohstoffe kamen aus unserer Sicht nur Deckel­wachs, Drohnen­bau, gegebenen­falls Wild­bau und anderweitig aussortierte, unbebrütete Waben in Betracht. Da wir allerdings davon ausgingen, dass diese Wachs­menge anfangs vermutlich nicht reichen würde, sollte auch noch ein Teil anderes Wachs verwendet werden, wobei wir jedoch auf eine strikte Trennung der Wachse achten wollten. Auch sollten die Rähmchen mit guten Mittel­wänden gekennzeichnet und alte, schwarze Waben stets zu Kerzen verarbeitet werden. So weit unsere Gedankenspiele.

Eine komplette Anlage zur Mittel­wand­herstellung kam aufgrund der Kosten und Größe für uns nicht in Betracht. Die Um­arbeitung des eigenen Wachses durch einen Dienst­leister verwarfen wir ebenfalls schnell, da wir die notwendigen Mengen für einen Auftrag kaum zusammen­bekommen würden – wir halten jeweils nur fünf bis zehn Völker. Darüber hinaus gab es noch weitere Vorbehalte gegen diese Variante.

Auch das Gießen der Mittel­wände zogen wir in Erwägung und befragten dazu einen Imker aus unserem Bekanntenkreis, der eine Gießform besaß. Er erzählte jedoch, dass der Umgang mit dem flüssigen Wachs nicht nur aufwendig, sondern auch eine ziemliche Sauerei sei, da sich Kleckern und Spritzen auch bei großer Vorsicht nicht vermeiden ließen. Schlussendlich blieb nur noch die Variante, mit einer Walze zu arbeiten. So ging der Auftrag an mich zu recherchieren, was es da so alles auf dem Markt gibt.

Geschichte

Sehr schnell wurde ich im Land der aufgehenden Sonne fündig. Neben aben­teuerlichen Konstruktionen, für die ich vermutlich ordentlich Ärger mit der Berufs­genossen­schaft bekommen hätte, gab es auch einfache Walzen, die meinen Vorstellungen entsprachen. Bestellung und Lieferung waren problemlos. Doch nach den ersten Versuchen mit der Walze musste ich feststellen, dass es doch nicht so einfach ist, wie ich gedacht hatte.

Die erste Aufgabe bestand darin, sehr gleich­mäßige Wachs­platten herzustellen. Gelingt dies nicht, wird es schwer, gleich­mäßige Mittel­wände zu erzeugen.
Im ersten Versuch fertigte ich eine Form, mit der man gleich­zeitig fünf Platten gießen konnte. Diese bestand aus mit Teflon beschichteten Alu­platten. Hierbei machte sich der sehr große Ausdehnungs­koeffizient des Wachses störend bemerkbar. Nach mehreren nicht sonderlich erfolgreichen Versuchen verwarf ich diese Variante und fertigte eine Silikonform an, die sich schließlich als gute Lösung erwies.

Nun ging es ans Walzen, bei dem sich schnell die zweite Hürde zeigte. Da wir verhindern wollten, dass zusätzliche Stoffe ins Bienen­volk gelangen, hatten wir uns vorgenommen, weder natürliche noch synthetische Trenn­mittel einzusetzen. Aber das Wachs der Bienen ist ein sehr eigensinniger Stoff. Er klebt faktisch an fast allen Oberflächen, selbst Teflon hilft da nicht wirklich weiter. Ist das Wachs zu warm, klebt es noch mehr; wird es zu kalt, zerbröselt es. Lösen lässt es sich eigentlich nur in Terpentin. Und man möge mir glauben, ich musste die Walzen mehrfach mit Terpentin reinigen, bis ich die richtigen Prozessparameter gefunden hatte!

Nichtsdestotrotz hatte mich der Ehrgeiz gepackt. Es musste doch eine Lösung ohne Chemie geben! Wie es manchmal so ist, sind die einfachen Lösungen die besten. Es reicht, wenn die Walzen mit einem gleich­mäßigen Wasserfilm versorgt werden, um die Haftung des Wachses zu minimieren. Meine Versuche schienen diese These zu bestätigen. Später stellte sich heraus, dass sich mit der Zeit Wachs auf den Walzen ablagert, welches dann das Lösen der Mittel­wände von den Walzen erschwert. Also empfiehlt es sich, die Walzen nach jeden Einsatz gründlich zu reinigen oder doch ein bienen­freundliches Trenn­mittel einzusetzen.

Die zuvor selbst gegossenen Wachs­platten wärmen wir in einem Wasserbad gut vor. Dann muss man sie gerade und bei langsamen und gleich­mäßigen Drehen der Kurbel in den Walzen­spalt einführen. Der Anfang ist immer ein bisschen fummelig, aber auch hier gibt es eine simple Lösung: Nachdem man den Anfang der Wachs­bahn von der Walze abgenommen hat, legt man diese um eine Trommel und wickelt sie mit gleich­mäßigem Zug auf. Die ausgewalzte Mittel­wand wird anschließend mithilfe einer Schablone auf das gewünschte Rähmchen­maß zugeschnitten. Den Verschnitt kann man gleich wieder einschmelzen und erneut auswalzen. So ist eine nahezu vollständige Verarbeitung des wertvollen Wachses möglich.

Geschichte

Im Februar 2019 war es dann so weit. Alle technischen Hürden waren genommen und der erste richtige Durchgang konnte stattfinden. Vor dem ersten gemeinsamen Walzen der Mittel­wände hatten wir die Silikonformen zum Gießen der Wachs­platten untereinander weiter­gegeben. So konnte jeder seine Wachs­platten zu Hause vorbereiten. An dem betreffenden Abend haben wir dann zu sechst inner­halb einer Stunde rund 25 kg Mittel­wände produziert. Zwei von uns haben an der Walze gearbeitet, zwei die Mittel­wände zugeschnitten und wieder zwei waren abgestellt, um für das leibliche Wohl der Akteure zu sorgen. Die einhellige Meinung aller Beteiligten lautete: Nie wieder Mittel­wände kaufen. Es zeigte sich auch schnell, dass die Bienen ebenfalls mit unserer Arbeit sehr zufrieden waren. Sie nahmen die Mittel­wände gut an und bauten diese schnell aus.

Am Ende schloss sich der Kreis, wie das eben so ist, unter Imkern in einem Ort. Man trifft sich ab und zu und redet über dies und das – und eben auch über die Bienen. Das erfolgt bei uns in der Regel in gemütlicher Runde, bei einem Bier oder einem Glas Wein und einem gemeinsamen Essen...