Gute Gründe für einen eigenen Wachskreislauf

Die Skandale um mit Paraffin/Stearine gestrecktes Bienenwachs sind wohl bekannt. Bienenwachs ist ein wertvolles Gut, das zu Manipulationen verleitet.
So tauchte 2016 erstmals massenhaft verfälschtes Wachs (Mittelwände) auf dem Markt auf. Mittelwände aus gering verfälschten Wachs beeinträchtigen die Entwicklung der Bienen aus aktueller wissenschaftlicher Sicht nicht wesentlich. Bei höherer Belastung mit Paraffin und/oder Stearin ist eine Beeinflussung der Entwicklung des Volkes leicht nachzuweisen. Ist allerdings so viel technisches Wachs zugemischt, dass sich der Schmelzpunkt verändert, können die Waben ihre Stabilität verlieren und in sich zusammenfallen.
Ein weiteres Problem besteht in der Verunreinigung des Wachses mit relevanten Pestiziden und Varroaziden. In der Summe führen alle diese Stoffe zu einer mehr oder weniger starken Beeinflussung der Völker.

Mögliche Anzeichen dafür sind:

  • Zögerlicher Ausbau der Mittelwände
  • Verendete Jungbienen in den Zellen
  • Löchrige Brutnester
  • Deformierte Waben
  • Schlechte Entwicklung der Völker

Wiederholtes, unkontrolliertes Auf­arbeiten des Wachses führt zu einer Anreicherung der Schad­stoffe im Wachs und verstärkt so die o. g. negativen Anzeichen.
In der Fachliteratur gilt das Wachs als wichtiger Bestandteil der Organisations­einheit "Biene" (siehe Wachs­broschüre des Deutschen Imkerbundes). Das spricht gegen den Einbau fremder Mittel­wände und für einen eigenen Wachskreislauf.

Der Weg zum eigenen Wachs­kreislauf

Für den eigenen Wachskreislauf wird Jungfernwachs aus den Baurahmen, das Deckelwachs und gegebenenfalls Wachs vom Wildbau verwendet. Das Wachs wird gesammelt, eingeschmolzen und zu Mittelwänden ausgewalzt. Es empfiehlt sich, die Mittelwände zu kennzeichnen.
In den meisten Fällen wird das frische Wachs für die neuen Mittelwände ausreichen. Es ist von der Betriebsweise des Imkers abhängig, d. h. wie viel Wachs ein Volk produzieren will oder kann (siehe LAVES – Bienen­wabenbau und Bienen­wachs sind Teil des Bienenvolkes).
Unbebrütete Waben – wie übrig gebliebene Futterwaben oder aus­gesonderte Honigwaben – können notfalls noch einmal zu Mittelwänden um­gearbeitet werden. Diese sind aber gesondert vom Jungfernwachs zu verarbeiten. Bebrütete Altwaben werden auf jeden Fall separat ein­geschmolzen und müssen dem Wachskreislauf unbedingt entzogen werden. Das Beste ist, man gießt Kerzen daraus…